Sonntag, 15. Januar 2012

Urbane Lebensweisheiten

Das Gerücht der Lebensweisheiten von Bill Gates


Bill Gates
Es kursieren massenweise Beiträge im Internet, nach denen Bill Gates angeblich eine Highschool besucht haben und den Schülern dort 11 Regeln mitgegeben haben soll.
Lebensweisheiten können brauchbare Richtlinien sein und gut gemeinte Denkanstöße geben - sie sollten aber den Personen zugeschrieben werden, die sie erstellt haben. Zum einen entsteht so ein anderer Kontext und zum anderen ist es einfach nicht fair, wenn eine Idee oder eine Arbeit jemand anderem zugesprochen wird.

Charles Sykes
Im Falle der unten aufgeführten 11 Regeln handelt es sich NICHT (wie überall behauptet) um eine Rede von Bill Gates, sondern um einen Beitrag des Autors Charles J. Sykes, der diese am 19. September 1996 in der Zeitung "San Diego Union-Tribune" veröffentlichte. Dabei handelte es sich jedoch nicht bloß um elf sondern um ganze 50 Regeln. [3] Die E-Mails mit den "elf Regeln von Bill Gates" begannen erst im Jahr 2000. [1, 2]

Bekannt wurde Sykes als Autor des Buches "Dumbing Down Our Kids: Why American Children Feel Good about Themselves, but Can't Read, Write, or Add". [1, 2] Und hier sind die besagten 11 Regeln:

Elf Regeln des Lebens


Regel 1

Das Leben ist nicht fair – gewöhne Dich daran!

Regel 2

Die Welt wird sich nicht für Dein Selbstwertgefühl interessieren. Die Welt wird erwarten, dass Du etwas erreichst BEVOR Du von Dir selbst überzeugt bist.

Regel 3

Du wirst nicht direkt nach der Schule 40.000 Dollar im Jahr verdienen. Du wirst nicht Abteilungsleiter mit eigenem Autotelefon ehe Du Dir beides verdient hast.

Regel 4

Wenn Du meinst, Dein Lehrer sei hart, warte bis Du einen Chef hast.

Regel 5

Hamburger braten ist nicht unter Deiner Würde. Deine Großeltern hatten ein anderes Wort für Hamburger braten: Sie nannten es Chance.

Regel 6

Wenn Du es vermasselst, ist es nicht die Schuld Deiner Eltern. Also jammere nicht über Deine Fehler, sondern lerne aus ihnen.

Regel 7

Bevor Du auf die Welt kamst, waren Deine Eltern nicht so langweilig wie heute. Sie wurden so, weil sie Deine Rechnungen bezahlt, Deine Wäsche gewaschen, und sich Dein Gerede darüber angehört haben, wie cool Du Deiner Meinung nach bist. Also, bevor Du den Regenwald von den Parasiten Deiner Eltern-Generation befreist, entlause erstmal den Schrank in Deinen eigenen Zimmer.

Regel 8

Deine Schule mag Gewinner und Verlierer abgeschafft haben, aber das Leben hat das NICHT getan. In manchen Schulen haben sie das Sitzenbleiben abgeschafft und sie geben Dir so viele Anläufe, wie Du möchtest, um die richtige Antwort zu geben. Das hat nicht die geringste Ähnlichkeit mit IRGENDETWAS im wahren Leben.

Regel 9

Das Leben ist nicht in Semester unterteilt. Du wirst nicht den ganzen Sommer frei haben und kaum ein Arbeitgeber ist daran interessiert, Dir bei Deiner Selbstfindung zu helfen. Mach das in Deiner Freizeit.

Regel 10


Fernsehen ist NICHT das wahre Leben. Im wahren Leben müssen Leute tatsächlich das Café verlassen und zur Arbeit gehen.

Regel 11

Sei nett zu Sonderlingen. Es ist gut möglich, dass Du einmal für einen arbeitest.

Weisheiten von Bill Gates


Um Bill Gates gerecht zu werden, sei hier auf eine Seite mit echten Weisheiten von Bill Gates verwiesen. Zum Thema "Schule und Bildung" hat Bill Gates immerhin folgendes gesagt:
"Die wichtigste Institution der Gesellschaft neben der Familie ist die Schule. Da wir ja alle erfolgreich sein wollen, ist die Schule ein Ort, an dem man die ersten Schritte in eine erfolgreiche Zukunft tut."
Quellen:
[1] UrbanLegends.About.com
[2] NormanRentrop.de (Abschnitt "Regeln für das Leben")
[3] Fackeltraeger-Verlag.de

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Duschen für Anfänger – Ein modellbasierter Ansatz gegen unangenehme Temperaturen

Nachdem ich im letzten Beitrag “Die Welt als Modell” einen kleinen Einstieg in das systemorientierte Denken gegeben habe, möchte ich nun darlegen, wie komplexe Probleme – auch solche aus dem Alltag – mit Hilfe von systemorientiertem Denken und dessen Modellierung angegangen werden können.
DuscheViele werden das Problem kennen, dass der morgendliche Schritt in die Dusche manchmal mit einer kalten Überraschung beginnt: die Dusche ist eiskalt. Dann wird schnell das heiße Wasser aufgedreht. Es wird wärmer… zu warm! Schnell also wieder das kalte Wasser die Oberhand gewinnen lassen. Und schon wieder wird es zu kalt…
Wie kommt es dazu? Wie kann es sein, dass täglich mehrere Milliarden intelligente Menschen dieses Verhalten aufweisen? Und wie bringt man jetzt der Dusche bei, dass sie die gewünschte Temperatur liefert?

Das Szenario: Die langsame Dusche.

Beim Duschen soll eine Zieltemperatur erreicht werden, bei der sich der Duschende wohl fühlt. Wird die Dusche im kalten Zustand betreten, dann dauert es eine Weile bis die Heißwasserzufuhr eine gleichbleibende Temperatur erreicht hat.
Bis dahin versucht der Duschende über ein Regelventil die Heißwasserzufuhr so zu verändern, dass eine möglichst konstante Temperatur von 25°C erreicht wird. Da ihm die Ist-Temperatur als sehr unangenehm erscheint, reagiert er mit einer Überreaktion.
image
Der typische Verlauf der Temperaturkurve beim Duschen. Quelle: [1]
Die Wassertemperatur erreicht zwar den gewünschten Pegel, verweilt bei diesem aber nicht. Da die Ist-Temperatur somit immer nicht zufriedenstellend ist, erfolgt eine ständige Gegensteuerung, die den Duschenden in einem „heiß-kalt-Zyklus“ gefangen hält (siehe
Abbildung).

Dargestellt wird das Modell als Causal Loop Diagram (CLD) in der nächsten Abbildung. Erkennbar ist auf dieser Abbildung der konstante Zufluss von kaltem Wasser, die aktuelle Wassertemperatur, der festgestellte Temperaturunterschied, die gewünschte Temperatur und der gewählte Zufluss von heißem Wasser sowie dessen verzögerte Auswirkung auf die aktuelle Wassertemperatur.
image
Die Temperaturregelung als Causal Loop Diagram. Quelle: [1]

Der Weg zum funktionierenden Modell

Wie aber erhält man eine sinnvolle Verbindung von einem echten System über ein Causal Loop Diagram zu einem funktionierenden Simulator? Zunächst steht dabei die generelle Modellierungsfrage im Vordergrund: Was muss modelliert werden und welcher Detaillierungsgrad ist hierbei gefordert?
Für diese Frage gibt es keine allgemein gültige Antwort. Es gilt aber, dass ein zu realitätsnahes Modell Gefahr läuft, so komplex zu werden, dass es nicht mehr überschaubar ist und damit nicht mehr die Vorteile eines Modells – also die Vereinfachung der Wirklichkeit – mit sich bringt (vergleichbar mit einer Landkarte im Maßstab 1:1).

DuschventilEbenso führt ein zu einfaches Modell nicht zu dem beobachteten Verhalten oder berücksichtigt evtl. entscheidende Faktoren nicht ausreichend, so dass ein Analyst zu Scheinlösungen gelangen kann, die nur im Modell zum Erfolg führen.
Wurde anhand der Elemente eines CLDs ein Modell erstellt, so muss die Frage gestellt werden, welche realen Prozesse sich hinter den Links verbergen. Im Falle der Dusche aus dem Abschnitt 2.3.1 auf Seite 15 handelt es sich um eine Mischung aus physikalischen, verhaltensorientierten und psychologischen Prozessen.
Ausgehend von Beobachtungen werden Annahmen über das Verhaltensmuster des Systems getroffen, wie das System sich in der zeitlichen Dimension verhalten wird. Eine solche Annahme wird auch als „dynamische Hypothese“ bezeichnet.
Anschließend müssen die Annahmen durch Expertenwissen gestützt und näher spezifiziert werden. Dazu werden Fakten, Formeln und weitere Zusammenhänge benötigt, die nur in den seltensten Fällen vorliegen oder sich von einer einzelnen Person vollständig beschaffen lassen.
Wenn das Expertenwissen vollständig beschafft wurde und jedes Modellelement quantitativ beschrieben werden kann, dann kann die Überführung des Modells in einen algebraischen Simulator stattfinden. Beispiele für einen solchen Simulator wurden im Post “Die Welt als Modell” genannt.

Expertenwissen – Wenn es um das Detail geht

Um die genauen Zusammenhänge zu erhalten, müssen Experten befragt werden, damit das Modell auf vernünftigen Zahlen basiert und die numerische Effektstärke bekannt ist. Im Falle der Dusche gilt es u.a., thermodynamische Regeln (wie wirkt sich das Hinzufügen von heißem Wasser auf die Endtemperatur aus) zu beachten. Als Quelle für dieses Wissen müssen Experten wie Klempner oder Physiker heran gezogen werden.
Thermometer
Auch das „Temperature Gap“ ist komplexer als eine einfache Subtraktion von Wunschtemperatur und Ist-Temperatur – schließlich hängt es vom Individuum ab, wie die Temperatur wahr genommen wird. So kann z.B. die Temperaturwahrnehmung von der
Geschwindigkeit der Temperaturmodulation und nicht beachteten Elementen wie bspw. in der Dusche getragener Kleidung beeinträchtigt werden.
Zuletzt stellt sich noch die Frage, wie die Verbindung zwischen Temperaturunterschied und dem Regeln des Warmwasserzuflusses definiert ist. Normalerweise korrigieren Menschen in einer Dusche die Temperatur, wenn sie ihnen nicht gefällt. Aber wie lange zögern sie und wie stark drehen sie dann letztendlich am Regelventil? Und nach welchem Bewertungsprinzip handeln sie überhaupt?
Die Antwort muss im Entscheidungsprozess zu finden sein. Die algebraischen und technischen Details hierzu sind Thema einer anderen wissenschaftlichen Ausarbeitung und würden den Rahmen dieses Beitrags sprengen.

Zusammenfassung

Beim Modellieren wird ein beobachtetes Verhaltensmuster abgebildet. Ein solches Verhaltensmuster setzt sich aus verschiedenen Variablen zusammen, die miteinander in Wechselwirkung stehen. Wirkungen können unmittelbar oder verzögert erfolgen und sind meist so verzweigt, dass ein Kreislauf vorliegt.
AtommodellWurde ein solcher Kreislauf erkannt und modelliert, so kann dieser Kreislauf entweder balanciert sein (und sich einem Ziellevel annähern) oder sich selbst immer weiter verstärken.
Damit von einem Sachverhalt überhaupt ein Modell erstellt werden kann, müssen der Detailgrad der Modellierung geklärt und die tatsächlichen Prozesse identifiziert werden.
Wurde auf diese Weise ein Modell erstellt (z.B. in Form eines Causal Loop Diagrams), so muss es mit Hilfe von Experten quantitativ unterlegt werden, bevor es in einen algebraischen Simulator übertragen werden kann.

Quellen:
[1] John Morecroft, Strategic Modelling and Business Dynamics: A feedback systems approach. Wiley and Sons, 2007.

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Die Welt als Modell – Kann ein Diagramm Probleme lösen?

Bei der Suche nach Problemlösungen werden oftmals die Komplexität des Problems und damit mögliche Folgeerscheinungen der gewählten Lösungen unterschätzt. Vielfach wird durch die Anwendung von ereignisorientiertem Denken nur das Symptom, nicht aber die Ursache behandelt. Somit entstehen jedoch wieder neue Probleme oder dasselbe Problem tritt – verzögert – wiederholt auf.
Oft wird nur das unmittelbare Problem und nicht die Nebenwirkungen im Blick behalten. Quelle: [1]

Um der Entstehung von solchen Teufelskreisen entgegen zu wirken, wird das rückkopplungsbasierte Denken angewandt. Dieses Denken berücksichtigt, dass jede Aktion auch eine Reaktion beinhaltet die sich irgendwann wieder auf die initiale Aktion auswirkt und ermöglicht somit eine Simulation von Problemstellung und eventuellen Lösungen. Eine Modellierung dieser Art des Denkens erfolgt oftmals in Form von Causal Loop Diagrams (CLD).

Ereignisbasiertes Denken

Augen verschließen (Quelle: jutta rotter / pixelio.de)Meist werden Probleme nur als Ereignisse angesehen, die sich durch eine Abweichung einer Eigenschaft von ihrem Soll-Wert identifiziert. Die Problemlösung wird schnell ergebnisorientiert getroffen – eine entsprechende Entscheidung wird schnell getroffen. Man möchte ja schließlich schnell und effizient vorgehen.
Außer Acht gelassen wird dabei, dass dieses Vorgehen auf einer monokausalen Weltanschauung basiert. Ein derart lineares Vorgehen lässt alle eventuellen Seiteneffekte außen vor.
Beispiele für ereignisbasiertes Denken:
  • Stau –> Mehr Straßen.
  • Verbrechen mit Drogenhintergrund –> Mehr Polizei.
  • Stagnierender Fischfang –> Mehr Fischerboote.

Folgen von ereignisbasiertem Denken

Ok, Probleme werden auf diese Weise sehr schnell “gelöst”. Auf diese Weise lassen sich auch erhitzte Gemüter beruhigen, da “etwas getan wurde”.
Scheuklappen (Quelle: VGMeril / pixelio.de)Leider werden dabei jedoch die Seiteneffekte nicht in die Überlegungen mit einbezogen. Und auch deren Folgen nicht – so kann es vorkommen, dass ein Seiteneffekt zu einer Verschlimmerung des eigentlichen Problems führt.
Weiterhin wird mit einer solch einfachen Betrachtungsweise niemals tatsächlich die Ursache des Problems sondern nur das Symptom behoben. So kann man zwar den Hustenreiz mit Hilfe von Hustensaft unterdrücken – die bakterielle Infektion wird damit aber nicht bekämpft.
Folglich müssen immer mehr Ressourcen aufgewendet werden, um dasselbe Problem zu lösen, welches immer wieder kommt. In bestimmten Fällen kann es sogar jedes Mal etwas stärker zurück kommen (dazu später mehr).

Wie geht es besser? Das systemorientierte Denken

Bei dem systemorientierten (oder auch “rückkopplungsbasiertem”) Denken wird das Problem in Zusammenhang mit seiner Umgebung analysiert und nicht als losgelöstes Einzelproblem betrachtet.
Dazu wird das Wirkungsverhältnis in zirkulären Sachverhältnissen dargestellt.
Rückkopplungsbasierte Denkweise (Quelle: [1])
Systemorientiertes Denken berücksichtigt Wechselwirkungen. Quelle: [1]
Beispiel für systemorientiertes Denken:
Problem: “Es gibt Staus.”
Lösung: “Es werden mehr Straßen gebaut.”
Folgeerscheinung: “Die Attraktivität mit dem Auto zu fahren steigt.”
Folgeproblem: “Die Verkehrsdichte nimmt zu. Es kommt zu Staus.”
Lösung: “Es werden mehr Straßen gebaut.”
(…)

Folgen von systemorientiertem Denken

Dadurch, dass ein Problem in seine Einzelbestandteile zerlegt wird und diese in Wechselwirkung zueinander stehen, wird eine umfassendere Betrachtung des Problems ermöglicht und man kommt der Problemursache deutlich näher.
Außerdem handelt es sich hierbei um eine kontinuierliche Problemlösung, da die Lösung nicht als final angesehen, sondern durch iterative Verfeinerungen des Modells optimiert werden kann.
Jedoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Modellbildung ein langwieriges Verfahren ist, welches mitunter recht personalintensiv sein kann. Schließlich werden für jeden betrachteten Bereich Experten benötigt, um den betroffenen Elementen eine realistische Quantität zuzusprechen.
Außerdem können Diagramme mit der Zeit eine nur noch schwierig zu behandelnde Komplexität aufweisen, wenn diese “zu detailreich” sind.

"Zu einer Wirkung besteht immer eine entgegen gesetzt gerichtete, dem Betrag nach gleiche Wirkung."
Physikalisches Grundgesetz n. Isaac Newton

Fazit – Wozu das ganze?

Wurde ein zirkuläres Modell entworfen und sind die quantitativen Bezüge zwischen den Elementen (z.B. in Form von Formeln) erst einmal erfasst, so können diese Informationen in einen entsprechenden Simulator eingegeben werden.
Beispiele für solche Simulatoren sind Vensim [2] und iThink [3]. Diese ermöglichen eine Simulation der Probleme bei Anwendung verschiedener Parameter und erlauben problembezogene Fragen wie z.B.: “Wie viele Fische dürfen in Zeiteinheit x gefischt werden, wenn der aktuelle Bestand y beträgt und eine kontinuierliche Menge Fisch gefangen werden können soll?”
Hinweis: Beispiele und Vorgehensweisen zum systemorientierten Modellieren von Problemen folgen in weiteren Beiträgen.
Quellen:
[1] John Morecroft, Strategic Modelling and Business Dynamics: A feedback systems approach. Wiley and Sons, 2007.
[2] Ventana Systems, Inc.: Vensim
[3] isee systems: iThink

Donnerstag, 10. November 2011

Ist die Technik an allem schuld?

Als Informatiker wurde ich schon des Öfteren auf die Auswirkungen der Technik angesprochen. Einige Menschen sind dabei ganz fasziniert von den neuen Möglichkeiten, welche uns unter anderem durch das mobile Internet geschaffen werden.
Andere Menschen sehen in der Technik  etwas Böses – etwas, dass unsere Arbeitsplätze weg nimmt und das uns von ihr abhängig macht. Bisweilen fällt das Schlagwort „Sklaven der Technik“.
Ich möchte heute drei Punkte zur Sprache bringen, die mir wichtig sind:
  1. Technik und Automatisierung 
  2. Sind wir Sklaven der Technik?
  3. Ist Technik für das Übel der Welt verantwortlich?
Technik und Automatisierung
Oft wird gesagt, dass mit dem Beginn des Kapitalismus und der „neuen Epoche Dampfmaschine“ der Mensch durch die Technik verdrängt werden würde. Zunächst einmal handelt es sich dabei nicht bloß um Technik, sondern um die spezielle Form „Automatisierung“. Erst die Automatisierung ersetzt Menschenarbeit durch automatisch („selbstständig“) durchgeführte Arbeit.
Die erste Form der Automatisierung hat im Übrigen ca. 3500 Jahren v.Chr. in Form von Windmühlen bei den Sumerern stattgefunden. Später wurde im Jahre 1745  eine Mühle entwickelt, die sich selbstständig in den Wind dreht, sodass dafür nicht mehr die schweißtreibende Arbeit von mehreren Männern notwendig war.
Es ist somit nicht die Technik, welche den Menschen die Arbeitsplätze weg nimmt und für monotone Arbeit sorgt. Es ist die Automatisierung, welche die Arbeit dort ersetzt, wo sie nicht notwendigerweise vom Menschen verrichtet wird. So wie der Mensch seit jeher Werkzeuge entwickelt hat, welche ihm das Arbeiten vereinfachen (Faustkeil, Pflug, Traktor), so hat er stets versucht, die körperliche Arbeit zu verringern.
Die Automatisierung verstehe ich daher als die einzig mögliche Folge dieser Bestrebungen. Der Mensch sehnt sich nach Arbeitserleichterung – erst dass er arbeiten muss, um Geld zu bekommen, macht ihn zum Verlierer der Gesellschaft.
Es gibt Berufe, die sich (fast) vollständig automatisieren lassen und es gibt Berufe, bei denen wir uns das noch nicht so gut vorstellen können (Berufe mit einer besonderen kognitiven/kreativen Leistung). Damit entsteht eine Klassifizierung der Berufsbilder. Um eine Ungerechtigkeit zu vermeiden (alle müssen für das Gemeinwohl arbeiten), besteht die Pflicht zu arbeiten. Damit geraten aber Menschen in die Enge, sich auf Berufe mit nicht automatisierbaren Prozessen zu stürzen und dort auf lange Sicht für einen Engpass an verfügbaren freien Arbeitsplätzen zu sorgen.
Ich arbeite selbst in einem Automatisierungsunternehmen und habe im Laufe meines Berufs selbst schon öfters Software entwickelt, welche Mitarbeiterstellen reduziert, da deren Existenz anschließend keinerlei Berechtigung mehr hat. Niemand will fünf Menschen beschäftigen, die mit Eimern Wasser tragen, wenn ich einen beschäftigen kann, der einen Schlauch anschließt und das Wasser irgendwohin pumpen lässt.

Oft kommen hierbei Stimmen hoch, die auf die Naturvölker zeigen, oder generell auf Staaten, die sich noch im Anfangsstadium der Entwicklung befinden. „Dort funktioniert es doch auch!“. Nun ja – auch dort werden Werkzeuge verwendet. Auch dort findet Arbeitsteilung statt. Auch dort entwickeln sich die eingesetzten Technologien weiter. Bis zur vollständigen Automatisierung wird es sicher noch eine Weile dauern, aber bis dahin geht jedes Volk einen Schritt weiter in diese Richtung.

Sind wir Sklaven der Technik?

Ebenso höre ich oft das Statement, dass wir heute „Sklaven der Technik“ seien.
Ein Sklave ist jemand, der dazu gezwungen wird, für jemanden zu arbeiten. Diese Beziehung sehe ich in diesem Kontext nicht. Vielmehr sehe ich es so, dass wir eine Abhängigkeit von der Technik haben. Diese ist aber nicht erst „heute“ gegeben. So wie uns heute eine Abhängigkeit von Computern und computergestützten Systemen nachgesagt wird, so gab es dieselbe Abhängigkeit bei den frühen Formen der Menschheit. Da die Hand nicht ausreichte, um als Allgemeinwerkzeug den Bedarf des Menschen zu decken, wurden einfachste Werkzeuge wie Stöcke und Faustkeile verwendet, um die eigene Effektivität zu steigern.
Auch den (manchmal halb im Scherz) geäußerten Vergleich, dass wir die modernen Erscheinungsformen der Medien zwingend benötigen und daran die Technik Schuld sei, kann ich auch so nicht stehen lassen. Sicherlich kommt jeder Generation die Verwendung eines neuen Mediums seltsam vor. Dennoch drücken Portale wie Facebook & Co doch nur aus, dass wir Menschen ein Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und Selbstdarstellung haben (das erscheint übrigens auch in der Maslowschen Bedürfnispyramide). Moderne Technologien heben die bereits vorhandenen Medien (Höhlenzeichnungen, Buchdruck etc.) nur auf ein anderes Level. Sind wir also Sklaven, wenn wir es gewohnt sind, Technik einzusetzen?

3.     Ist Technik für das Übel der Welt verantwortlich?
Auch dass Technik als Sündenbüßer für all das Übel in der Welt herhalten soll, erscheint mir etwas befremdlich. Ist eine Waffe etwas Böses? Oder derjenige, der diese Waffe mit einer bestimmten Intention erfindet oder einsetzt? Es ist der Mensch, der sich selbst zugrunde richtet, indem er nur in dem Jetzt lebt und nicht an die Folgen in der Zukunft denkt.
Die Osterinseln waren bspw. einst eine blühende Kulturstätte mit Wäldern – so lange bis die Menschen für den Bau von Wohnungen und Booten auch den letzten Baum geholzt haben.

Eine ähnliche Weitsicht beobachte ich auch jetzt – im Zeitalter der „hohen Technisierung“. Ist es also die Technik, welche die zunehmende Zerstörung der Umwelt zu verantworten hat? Ich betrachte Technik als ein Werkzeug. Ein Werkzeug, um unsere Ziele zu verwirklichen. Ein Werkzeug, dass sowohl inspirieren als auch zerstören kann – wie damit umgegangen wird, ist allein Sache des Anwenders.

Sonntag, 17. April 2011

Tanzverbot an kirchlichen Feiertagen?

Beim Tanzen hört die Religionsfreiheit auf

TanzverbotIch habe es zuerst für einen Scherz gehalten, aber es ist wahr: In Hessen ist es verboten am Karfreitag und anderen Feiertagen zu tanzen.

Das Hessische Feiertagsgesetz

Grund für diesen Unfug ist das “Hessische Feiertagsgesetz" (HFeiertagsG), welches 1919 aufgesetzt wurde und aktuell in der Fassung von 1971 vorliegt. [1]
Vereinfacht formuliert besagt das Gesetz, dass an den folgenden Tagen keine “öffentlichen Tanzveranstaltungen” und “andere der Unterhaltung dienenden öffentlichen Veranstaltungen” statt finden dürfen [1; §7]:
Neujahrstag, Karfreitag, Ostersonntag, Ostermontag, Gründonnerstag, Karsamstag, 1. Mai, Himmelfahrtstag, Pfingstmontag, Fronleichnamstag, Tag der Deutschen Einheit, 1. und 2. Weihnachtstag. [1; §1, §9, §10]

Auferstehung von den Totgesagten

OrdnungsamtAuch wenn das Gesetz schon länger existiert, so fand es dennoch (wie viele andere skurrile Gesetze) bislang kaum Beachtung (zumindest nicht zu meiner Zeit). Wie das Journal Frankfurt am 13.4.2011 berichtete, wird nun u.a. das Ordnungsamt von diesem Gesetz Gebrauch machen und hat im Zuge dieser Rückbesinnung alle Clubs und Bars in Frankfurt am Main vorgewarnt, dass die Missachtung des Gesetzes Bußgelder in vierstelliger Höhe zur Folge hat. [2]
Für Bar- und Clubbesitzer bedeutet dies, dass sie dazu gezwungen werden, Gäste erst gar nicht herein zu lassen oder aber darauf zu achten, dass diese nicht tanzen. [2] Doch auch Events wie Sportveranstaltungen fallen unter dieses Gesetz, da sie über den “Schank- und Speisebetrieb” hinaus gehen. [3]

Warum gibt es dieses Gesetz?

Laut Gesetz werden die Feiertage als “Tage der Arbeitsruhe und seelischen Erhebung” geschützt [1; §5]. Weiterhin stammt dieses Tanzverbot aus der archaischen Denkweise, dass “enthemmtes Tanzen im Allgemeinen als unsittlich oder schädlich” galt.
Derzeit fordern vor Allem die FDP, die CDU und die Kirchen die Einhaltung des Verbots. [3]

Verordnung zur Zwangsfrömmigkeit?

Frommer ChristFür mich ist sowohl das Gesetz als auch die Forderung der Einhaltung desselben schlichtweg unverständlich.
Wenn es darum geht, den Christen in Andacht an ihren Halbgott Jesus einen ruhigen Feiertag zu ermöglichen, so ist doch wohl die Vorlage dass es sich um einen arbeitsfreien Feiertag handelt, ausreichend.
Warum aber müssen auch die Anhänger anderer Konfessionen, die Atheisten oder auch die “nicht ganz so frommen” Christen eine Einschränkung ihrer Freizeitgestaltung hinnehmen?
Völlig unverständlich ist mir auch, wie mein Gebaren in einer Diskothek die Pietät von trauernden/feiernden Christen beeinträchtigen soll.
Ich habe Deutschland bislang als halbwegs säkularisierten Staat wahr genommen und würde es begrüßen, wenn wir nicht wie zu Zeiten des Zwangschristentums an die Gebräuche einer Religion gefesselt werden. Religionsfreiheit bedeutet für mich, dass ich wählen kann, ob und wie ich mich zu einer Religion bekenne.

Gegenmaßnahme

Aus Frust und Unverständnis gegen diese willkürliche Einforderung eines “nicht mehr zeitgemäßen Gesetzes” gibt es eine Petition von Marcus Bender, die bis zum 12.05.2011 online unterzeichnet werden kann.
Auf der Plattform “ePetition” gibt es neben der Option sich für diese Petition einzusetzen auch die Möglichkeit, Pro- und Kontrapunkte der anderen Mitbürger einzusehen. [4]
Zur Petition

Quellen:

[1] Hessisches Feiertagsgesetz
[2] Journal Frankfurt: Tanzverbot an Ostern
[3] Wikipedia: Tanzverbot (Stand: 17.04.2011)
[4] Petition für die Aufhebung des Tanzverbots an Feiertagen in Hessen

Sonntag, 7. November 2010

Die Kultur - Versteckt und unterschätzt

Wie oft denken wir über unsere Kultur nach? Und woran denken wir, wenn wir das Wort "Kultur" hören? Ist Kultur wichtig oder bloß eine theoretische Definition ohne greifbare Entsprechung in der Praxis?

Definition - Was ist denn überhaupt eine Kultur?

Wenn man an Kultur denkt, fließen meist Bilder von afrikanischen Stämmen, fremdländischen Tänzen oder aber "seltsamen Weltanschauungen" in das Gesamtbild ein. Manchmal ist auch von "probiotischen Kulturen" die Rede - dann spricht man vermutlich gerade über die Darmbakterien in pseudogesunden Joghurts...
Eine offizielle Definition von Kultur findet sich in der Quelle [1]:
"Kultur ist im Wesentlichen zu verstehen als ein System von Konzepten, Überzeugungen, Einstellungen und Wertorientierungen, die sowohl im Verhalten und Handeln der Menschen als auch in ihrem geistigen und materiellen Produkten sichtbar werden."
Vereinfacht ausgedrückt ist Kultur also "die Art und Weise, wie die Menschen leben und was sie aus sich selbst und ihrer Welt machen".

Wahrnehmung von Kultur: Wie können wir Kultur erkennen?

Viele Kulturen besitzen Artefakte
Um eine Kultur zu erkennen, muss man drei Dimensionen berücksichtigen: Die soziale, die materielle und die mentale Dimension, wobei nur die mentale nicht beobachtet werden kann. Während in der sozialen Dimension die soziale Interaktion, gesellschaftliche Strukturen und Institutionen eine wichtige Rolle spielen, werden in der materiellen Dimension vor allem Medien jeder Art und andere kulturelle Artefakte (z.B. Bauwerke) betrachtet. Die nicht einfach zu erfassende mentale Dimension ist die komplexeste. Hinter ihr verbergen sich kulturelle Standardisierungen (Kommunikation, Denken, Empfinden und Verhalten/Handeln) sowie kulturspezifische Codes.
Will man Kulturen sinnvoll miteinander vergleichen, so müssen viele Kategorien bedacht werden: Wie ist die Wahrnehmung? Was für ein Zeit- und Raumerleben haben die Menschen? Nach welchem Prinzip sind Sprache und Schrift aufgebaut?

Interkultur - Die Begegnung der Kulturen

Wenn mindestens zwei Kulturen in einer Gesellschaft aufeinander treffen, so spricht man von einer Multikultur. Aber erst, wenn die Angehörigen der Kulturen miteinander interagieren, dann spricht man von einer Interkultur. Wenn nun ein Immigrant ein Land mit einer abweichenden Kultur "betritt", so kann der Prozess des "in-die-Kultur-Wachsens" (die Akkulturation) auf vie verschiedene Weisen geschehen:
  1. Integration: Es wird versucht, die eigenen Kulturstandards zu bewahren, während man trotzdem offen für Veränderungen ist.
  2. Assimilation: Die eigene Kultur wird vollständig abgelegt und durch die der Aufnahmegesellschaft ersetzt.
  3. Seperation: Die neue Kultur wird komplett abgelehnt; es erfolgt ein krampfhaftes Festhalten an der Ursprungskultur.
  4. Marginalität: Obwohl die eigene Kultur aus den Augen verloren wird, fehlt der Zugang zur neuen Kultur.

Ein Leben ohne Kultur?

Gesten können in jeder
Kultur eine völlig andere
Bedeutung haben
Wenn die Begegnung zweier Kulturen in einer Marginalität endet - das Individuum also ohne kulturelle Identität lebt - so kann dies (so die Theorie) zu Identitätsverlust und Destabilisierung führen.
Ist das so? Wie identifizieren wir uns denn? Woran messen wir unsere eigene Kultur? Im Abschnitt "Definition" ist u.a. von Überzeugungen und Wertvorstellungen die Rede. Außerdem bildet die eigene Wahrnehmung und das an den Tag gelegte Verhalten die Schnittstelle zur Außenwelt.
Wenn der Person die "geheimen Codes" über Sprache (z.B. Ironie) oder Gestiken (Metasignale) verborgen bleiben, so schränkt sich die Kommunikation auf ein Mindestmaß ein und die Person erhält/findet keinen Zugang zur neuen/anderen Kultur. Folglich wird es ihm auch sehr schwer fallen, die Weltansichten und Wertvorstellungen in ihrer Gänze zu erfassen und zu verstehen. Was übrig bleibt ist ein verzweifelter Mensch zwischen zwei Kulturen, der in einem Land lebt, indem er weder den "Gastgeber" begreift (oder von diesem verstanden wird), noch Zugang zur eigenen Kultur hat.

Gegenmaßnahmen - Wie schaffen wir ein Miteinander?

Wie aber können wir verhindern, dass ganze Völker missverstanden werden oder einen Identitätsverlust erleiden? Das Schlüsselwort heißt "interkulturelle Kompetenz". Auch dafür gibt es eine Definition, die ich niemandem vorenthalten möchte:
 "Interkulturelle Kompetenz zeigt sich in der Fähigkeit, kulturelle Bedingungen und Einflussfaktoren in Wahrnehmen, Urteilen, Empfinden und Handeln bei sich selbst und bei anderen Personen zu erfassen, zu respektieren, zu würdigen und produktiv zu nutzen i Sinne einer wechselseitigen Anpassung, von Toleranz gegenüber Inkompatibilitäten und einer Entwicklung hin zu synergieträchtigen Formen der Zusammenarbeit, des Zusammenlebens und handlungswirksamer Orientierungsmuster in Bezug auf Weltinterpretation und Weltgestaltung." [1]
 Vereinfacht ausgedrückt besteht interkulturelle Kompetenz aus drei Teilkompetenzen:
  1. Koginitive Kompetenz: Das einfache Wissen über andere Kulturen, die eigene Kultur (Selbstreflektivität) und das generelle Wissen über die Funktionsweisen von Kulturen.
  2. Affektive Teilkompetenz: Das prinzipielle Interesse an anderen kulturen, die Fähigkeit des Fremdverstehens (Empathie) und die notwendige Toleranz gegenüber anderen Kulturen und deren Einfluss (Ambiguitätstoleranz).
  3. Pragmatisch-kommunikative Teilkompetenz: Die Fähigkeit, das Wissen um die andere Kultur so anzuwenden, dass geeignete Kommunikationsmuster und wirkungsvolle Konfliktlösungsstrategien gefunden werden.
Bleibt nur noch die Frage offen, wann und wie den Menschen diese Kompetenzen vermittelt werden sollen. Dass sie im Zuge der Globalisierung (spätestens jetzt) immer wichtiger werden, sollte außer Frage stehen.

Quellen:
[1] Alexander Thomas, Interkulturelle Kompetenz - Grundlagen, Probleme und Konzepte, 2003

Auch interessant:

Samstag, 31. Juli 2010

Das Doppelspaltexperiment – Eine Paradoxie der Quantenphysik

Das Doppelspaltexperiment ist eines der bekanntesten Vorzeigeexperimente für die Quantenphysik.
Es demonstriert sehr eindrucksvoll, wie widersprüchlich es in der Quantenphysik zugehen kann.

Versuchsaufbau

Der Versuchsaufbau ist recht einfach gehalten: Wenn man einzelne Teilchen (wie z.B. Murmeln) auf eine Fläche schießt, welche in der Mitte einen vertikalen Spalt aufweist, so entsteht auf einer dahinter montierten Projektionsfläche ein sich deutlich abzeichnender
Spalt. Dasselbe passiert, wenn man eine Welle durch einen einzelnen Spalt schickt.
Tauscht man nun die groben Teilchen durch Elektronen aus, so wird im Versuch mit einem einfachen Spalt wie erwartet eine Spaltabbildung auf der Projektionsfläche erzeugt.
Erweitert man das Experiment um einen zweiten, parallel verlaufenden Spalt, so erzeugen die Wellen auf der Projektionsfläche ein Interferenzmuster, da die Wellen sich bei ihren Überschneidungen gegenseitig aufheben.
Für Licht kann dies bedeuten, dass es sich gegenseitig partiell auslöscht, wenn es den Doppelspalt passiert hat.

Widerspruch der Elektronen

Schießt man nun Elektronen durch den Doppelspalt, so erwartet man analog zum Test mit den groben Teilchen eine Abbildung des Doppelspalts auf der Projektionsfläche.
Tatsächlich erhält man jedoch ein Interferenzmuster - die Elektronen verhalten sich also wie eine Welle. Das ist interessant, da man die Masse von Elektronen kennt und ihnen somit einen Teilchencharakter zuspricht.
Die erste Annahme der Wissenschaftler war, dass die Elektronen sich gegenseitig beeinflusst haben und dadurch das Wellenmuster erzeugen. Also wurde das Experiment so wiederholt, dass immer nur ein Elektron zur selben Zeit abgeschossen wurde. Doch auch
hier war nach längerer Zeit das Interferenzmuster zu beobachten.

Überall und nirgendwo

In der Theorie passiert etwas für das menschliche Denken Ungewöhnliches: das Elektron durchschreitet beide Spalten gleichzeitig, beeinflusst sich dabei selbst (als bestünde es aus zwei Teilchen) und landet anschließend als Teilchen im Wellenmuster auf der Projektionsfläche.

Der Beobachter verändert das Geschehen

Als man die Elektronen am Spalt mit Hilfe eines Messgeräts „beobachtete“, erzeugten sie jedoch kein Interferenzmuster mehr. Stattdessen bildete sich wie beim Versuch mit den groben Teilchen ein Abbild des Doppelspaltes auf der Projektionsfläche.
Damit zerfällt die Vorstellung des unbeteiligten Beobachters. Werner Heisenberg bringt in seiner Unschärferelation eben dies zum Ausdruck: je genauer etwas gemessen werden soll, desto
größer ist die Manipulation der Sache.
Quelle: DVD “Bleep – Deep Down The Rabbit Hole” (Quantum Edition)